Konstruktiver Journalismus: Sieben Antworten

Bei unserem Kompaktformat „Round Table Talks“ Anfang April leuchteten FachreferentInnen mit den teilnehmenden ExpertInnen aus, wo die Chancen und Gefahren des konstruktiven Journalismus liegen und wie MedienmacherInnen aus Journalismus und Kommunikationsbranchen das Konzept praktisch einsetzen können.
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Im Folgenden finden Sie sieben Antworten darauf:
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1. Was ist konstruktiver Journalismus? +++
Konstruktiver Journalismus ist eine besondere Art der journalistischen Berichterstattung, die nicht bei der Beschreibung von Krisen und Fehlentwicklungen stehen bleibt. Sie nimmt vielmehr gezielt Lösungen und positive Entwicklungen in den Blick, ohne dabei jedoch Probleme auszublenden. Themen sollen aus vielen unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet werden, das Publikum soll bei komplexen Fragestellungen Orientierung bekommen und handlungsfähig werden. Zentral ist auch der Austausch mit dem Publikum, dem konstruktive JournalistInnen auf Augenhöhe begegnen möchten.
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2. Warum konstruktiver Journalismus? +++
JournalistInnen werden oft dafür kritisiert, fast ausschließlich über negative Ereignisse in der Welt zu berichten – frei nach dem  Motto „Only bad news are good news“.  Das schaffe ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit. Konstruktiver Journalismus steuert diesem Trend entgegen: Es werden möglichst viele, unterschiedliche Perspektiven beleuchtet, die Sprache ist moderat und wertschätzend.
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3. Wie funktioniert konstruktiver Journalismus?+++
Das klassische journalistische Handwerkszeug – ausgewogene, gewissenhafte, sorgfältige Recherche und unabhängige Berichterstattung  – wird um einige Aspekte erweitert:  Es geht  darum, Wissen auszutauschen, Quellen und Hintergründe zu erklären, Arbeitsweisen transparent darzustellen, Themen und Fragestellungen breit zu diskutieren und mögliche Lösungsansätze zu bieten. Positive Entwicklungen und Ereignisse bekommen im konstruktiven Journalismus mehr Gewicht.
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4. Wer macht konstruktiven Journalismus?+++
Neben den JournalistInnen, die ihr Handwerk ausüben, werden auch andere Personengruppen (z.B. Betroffene, AkteurInnen, …) verstärkt in die journalistische Arbeit eingebunden. Medienschaffende bieten durch ihre Arbeit Orientierung, regen Diskurse und Prozesse an und moderieren diese.
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5. Wann wird konstruktiver Journalismus eingesetzt?+++
Konstruktiver Journalismus als leitendes Motiv eignet sich besonders, um Optionen und Perspektiven aufzuzeigen, Prozesse und Diskurse anzuregen und diese zu begleiten.
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6. Wo liegen die Grenzen von konstruktivem Journalismus?+++
Die Themen und Darstellungsmöglichkeiten für den konstruktiven Journalismus sind endlos. Doch viele Problemstellungen sind zu komplex, um durch einzelne Initiativen gelöst zu werden. In der Praxis muss Vieles vorausgeplant werden. Es ist ein hoher Ressourceneinsatz nötig, was Redaktionen vor Probleme stellt. Gleichwohl kann jede Redaktion konstruktive Themen und Rubriken finden, die ohne extremen Zusatzaufwand erstellt werden können.
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7. Welche Entwicklungsmöglichkeiten gibt es?+++
Konstruktiver Journalismus soll eine wertschätzende Haltung gegenüber dem Publikum und den Mitwirkenden einnehmen und komplexe Zusammenhänge und Prozesse beschreiben. Als grundlegendes Konzept in Medienhäusern könnte der konstruktive Zugang ein Alleinstellungsmerkmal für Medien werden und einer Übersättigung des Publikums mit negativen Nachrichten ohne Kontext und Handlungsperspektive entgegenwirken.

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Im Jänner 2014 war der Nachrichtenchef des dänischen Fernsehens, Ulrik Haagerup, der zum Thema ein Buch geschrieben hat, zu Gast beim FJUM:


 




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