Das war der Media Innovation Day 2015

Unter dem Motto „Be unique! How focus and identity make media successful“ lud das fjum_forum journalismus und medien wien JournalistInnen und Medienfachleute zum Media Innovation Day 2015 ins Wiener MQ ein. Die diesjährigen Kuratoren waren Anita Zielina, Chefredakteurin von NZZ Online, und Klaus Weinmaier, Gründer von The Engagement Lab.

 

Ein Nachbericht von Paulina Parvanov, Studentin des Studiengangs Journalismus der FH-Wien

Hier wird definitiv weniger gejammert als anderswo. Das wird bereits bei der Eröffnung klar. Stattdessen soll es hier um Ideen gehen und um Praxisprojekte, die funktionieren. Die Veranstaltung sucht nach der Einzigartigkeit in Medien und nach Wegen, wie diese Einzigartigkeit ein Medium überlebensfähig machen kann. Suchmaschinen-Optimierung sei keine ausreichende Zukunftsstrategie, stellt MID-Kuratorin Anita Zielina gleich am Anfang klar.

Aber was mache denn ein Produkt nun einzigartig, fragt fjum-Geschäftsführerin Daniela Kraus die DiskutantInnen der erste Runde. „Bei uns ist es die Community“, sagt Susann Hoffmann, Mitgründerin des Online-Magazins Edition F. Für Hansi Voigt, Gründer des mobilen Nachrichtenportals Watson, ist es die Präsentation. „Watson ist nicht zum Drucken gemacht.“ Dass Mediengründer auf eine Print-Ausgabe verzichten, ist nicht neu – ein Online-Medium ohne Webseite dagegen schon. „Die Leute sollen uns dort konsumieren, wo sie sind, deshalb konzentrieren wir uns auf Facebook und Apps“, sagt Zachary Alfred. Er ist Engagement Producer bei AJ+, ein Medium, das seine Inhalte ohne Webseite publiziert. Ein wenig später geht es um die Millennials und wie man sie als Nutzer gewinnt.

„Inhalte müssen interessant sein, dürfen aber nicht so aussehen, als müsste man für das Lesen viel Zeit aufwenden“, so der Lösungsansatz von Voigt. Hoffmann sieht die Chance eher auf der Beziehungsebene. Der Nutzer müsse sich mit dem Inhalt identifizieren können.

So unterschiedlich die drei Ansätze auch sind, eines haben alle Produkte gemeinsam: sie müssen finanziert werden. Für AJ+ sei Geld momentan kein Thema, sagt Alfred. Edition F und Watson suchen neben klassischer Online-Werbung nach alternativen Finanzierungsmethoden.

Eine einzigartige Positionierung kann ein Medium auch mit Hilfe von Daten erreichen. Dazu stellt Annie Fox Chartbeat vor, ein Analysetool für die Webseiten. Mit Chartbeat kann man beispielsweise herausfinden, an welcher Stelle ein Leser aufgehört hat zu lesen und es zeigt dem Journalisten, welche Themen im Internet gerade populär sind. So könne man Inhalte schnell anpassen, sagt Fox.

Nach der Präsentation von Chartbeat gibt es drei Breakout-Sessions.
Wie Social Media, Storytelling und vertikale Geschäftsmodelle ein Medium einzigartig machen können, versuchen Lisa Stadler (derstandard.at), Heidi Lackner (ORF) und Leeor Engländer (Die Welt) in drei kurzen, parallel stattfindenden Vorträgen zu beantworten.

Das Vormittagsprogramm schließt mit einer zweiten Diskussionsrunde: Bei Daniel Höly (Gründer des Print-Magazins Shift), Nora-Vanessa Wohlert (Mitbegründerin Edition F) und Karsten Lohmeyer (Gründer des Blogs Lousy Pennies) geht es vor allem um das erfolgreiche Gründen. Dazu braucht es unter anderem Durchhaltevermögen. Höly erzählt von seiner Idee ein gedrucktes Magazin zu machen. Print könne doch nicht tot sein, dachte er sich und startete spontan eine Crowdfunding-Kampagne. Die erste gedruckte Ausgabe seines Magazins Shift hat er an diesem Tag mitgebracht. Die Diskussion zeigt vor allem: ein Patentrezept für Medien-Start-ups gibt es nicht. Der Aufbau einer Marke könne aber hilfreich sein, so Lohmeyer.

Nach einem ausgiebigen Mittagessen startet das Nachmittagsprogramm mit Raju Narisetti (Senior Vice President Strategy von News Corp) und Jochen Wegner (Chefredakteur zeit.de). Sie diskutieren darüber, wie man bestehende Marken erfolgreich und sinnvoll ergänzen kann. Gejammert wird auch hier nicht.

Im Gegenteil. Es stellt sich heraus, dass auch etablierte Marken neue Produkte entwickeln. Narisetti stellt unter anderem decider.com vor – eine Art digitale Fernsehzeitschrift für Netflix-Nutzer. Und auch bei zeit.de tut sich etwas.

Anschließend liegt der Fokus auf dem Fokus. Die Diskussionsgäste diskutieren in Kleingruppen mit dem Publikum den Fokus ihrer eigenen Produkte. Manch einer wünscht sich das Publikum stärker im Mittelpunkt, andere wiederum sehnen sich bei ihrem Heimatmedium nach neuen Formaten.

Am Ende der Veranstaltung steht fest: Es gibt Ideen, erfolgreiche Beispiele aus der Praxis und sogar Finanzierungsmöglichkeiten. Anita Zielina formuliert zum Abschluss einen Appell: „Ausprobieren!“

Fotonachlese >>> Fotocredit: Walter Henisch

Identity Matrix >>> Credit: Klaus Weinmaier, Anita Zielina

Identity Matrix Erklärung >>> Credit Weinmaier, Zielina

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Lesen Sie auch Alison Langleys Nachbericht in englischer Sprache >>>

Pressespiegel:

handelszeitung.ch: „Watson will in Österreich Fuß fassen“

derstandard.at: Jochen Wegner „Klarnamen im Netz sind ohnehin eine Illusion“

derstandard.at: Raju Narisetti „Wir sollten nicht für Facebook arbeiten“

diepresse.com: Edition F: „Auf der Suche nach Leserinnen im Netz

Ö1: Tanja Malle im Gespräch mit Annie Fox, Chartbeat: „Wie Medien die Echtzeitanalyse von Websites nutzen




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